Bücherei Zentrale Schleswig-holstein

Bibliotheken Auf Rädern

Mai 3, 2021

Wie kann ein angenehmer Ort, der zum Verweilen anregen soll, gleichzeitig mobil sein? Es ist klar, dass diese Verschmelzung von Gegensätzen eine Art Balanceakt erfordert. Wir haben uns auf die Suche gemacht und sind auf überraschende Ansätze gestoßen, die durch intelligente Nutzung minimaler Ressourcen ein Maximum an sozialem Engagement erzielen.

Die Büchereizentrale Schleswig-Holstein führt ein Entwicklungsprogramm durch, das von der deutschen Organisation Hoch Drei finanziert wird. Ziel des Programms, das im Jahr 2020 begann und in 2021 endet, ist es, herauszufinden, wie sich mobile Bibliotheken in mobile Dritte Orte für jedermann verwandeln können. Da die ursprüngliche Definition eines Dritten Ortes von Ray Oldenburg mit Mobilität eher wenig zu tun hat, erfordert dies einen eher experimentellen Ansatz.

Wie kann man mit einer mobilen Bibliothek, die durch ländliche Gebiete fährt, den Effekt eines gewöhnlichen Dritten Ortes erzeugen? Es ist klar, dass jede Gesellschaft und jede Community Dritte Orte benötigt, und zwar für mehr als nur ein paar Stunden pro Woche. Kann eine mobile Bibliothek dann überhaupt einen echten Beitrag leisten? Und wenn ja, in welchem Umfang? Was soll man beibehalten, was muss man ändern? Das Mysterium mobiler Dritter Orte ist nicht einfach zu lösen und erfordert ein gewisses Maß an Recherche.

It takes two to tango

Wir sind davon überzeugt, dass – wenn eine mobile Bibliothek einen Beitrag zur sozialen Infrastruktur der Gesellschaft leisten soll – es das Zusammenspiel von zwei Seiten der Medaille braucht: die mobile Bibliothek auf der einen Seite und eine Andockstelle auf der anderen. Denken Sie an die holländische Legende von Sinterklaas (St. Nikolaus), dem großzügigen Heiligen, der einmal im Jahr mit dem Dampfschiff aus dem fernen Spanien in die Niederlande reist, um Leckereien und kleine Geschenke für die braven Kinder mitzubringen. Hallelujah! Alle freuen sich auf seine Ankunft! Doch das Geschenk kann das Kind nur erreichen, wenn der Dampfer in einem Hafen anlegen kann. Ohne den Hafen kein Fest! Während St. Nikolaus in dieser Analogie die mobile Bibliothek darstellt, symbolisiert der Hafen die lokale Andockstelle. Dass der „Hafen“ gewisse Mindestvoraussetzungen erfüllt, ist daher der Schlüssel zum Erfolg unserer mobilen Bibliothek als Dritter Ort.

Wir haben eine umfassende Liste mit 15 Beispielen von zarten, aber vielversprechenden Ansätzen Dritter Orte in ländlichen Gebieten erstellt.

Vera Schneider Vera Schneider Interior architect at includi

Um Inspiration für den entsprechenden kreativen Prozess zu sammeln und unsere Wissensbasis über Dritte Orte in ländlichen Gebieten zu erweitern, sind wir online gegangen und haben eine umfassende Liste mit 15 Beispielen von zarten, aber vielversprechenden Ansätzen Dritter Orte in ländlichen Gebieten Westeuropas erstellt. Dabei lernten wir viel dazu über das absolute Mindestmaß an öffentlichen Angeboten, die selbst in Gemeinden mit suboptimalem öffentlichem Leben und begrenzten Möglichkeiten verfügbar sein müssen, und haben basierend darauf bestimmte Minimalanforderungen an Dritte Orte abgeleitet. Auf dem Höhepunkt der COVID-Pandemie begannen wir mit einer Reihe von Zoom-Interviews mit fünf solcher Initiativen und sprachen in diesem Zuge mit Nutzern, Mitarbeitern und dem Management.

Klein, aber oho!

Diese kleinen, aber dafür umso feineren Projekte wurden in einem Mini-Dokumentarfilm festgehalten, der die enorme Wirkung und Bedeutung Dritter Orte in ländlichen Gebieten aufzeigt, wie unbedeutend sie auf den ersten Blick auch immer erscheinen mögen. Wenn Sie jemals an der Notwendigkeit sozialer Orte kleineren Maßstabs gezweifelt haben, dann sehen Sie hier, was für eine signifikante soziale Wirkung sie haben können.

PROJEKTINFORMATIONEN

Der inspirierende Mini-Dokumentarfilm „Dritte Orte im ländlichen Raum“ ist eine Kreation von includi.
Interviews: Mark Kamps, Vera Schneider, Christa Rochaix, Marco Heyda
Recherche: Mark Kamps
Präsentation: Aat VosProduktion: Marco Heyda, Sarah Stötzner
Video: Marco Heyda

Ein besonderer Dank gilt unseren Ansprechpartnern und Freunden bei La Fabrique de Revermont, For All Healthy Living Centre, The Community Shop Grindleford, Café Edelstein und Familienzentrum Radebeul.